Perspektivwechsel – Die Mobilität in Herne aus den Augen von Kindern und Jugendlichen
Im September 2025 wurde in Herne eine Kinder- und Jugendbeteiligung durchgeführt. 566 Schülerinnen und Schüler aus 22 Klassen haben sich mit ihrer Mobilität in Herne auseinandergesetzt und der Stadt damit wichtige Hinweise für die Gestaltung der Mobilitätswende mitgegeben.
Die Beteiligung umfasst drei Module, die altersgerecht jeweils für Kinder der Grundschule sowie für Jugendlichen der weiterführenden Schulen entwickelt wurden. Darin werden die Einschätzung der heutigen Mobilität und Erwartungen an die zukünftige Mobilität abgefragt. Zudem werden konkreten Maßnahmenoptionen für die altersgerechte Mobilitätsgestaltung bewertet und eigene Ideen formuliert.
Warum diese Beteiligung? Der Verkehr, die Mobilitätsangebote und die Gestaltung des öffentlichen Raumes
haben einen großen Einfluss auf die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen. Auf dem Schutz und
dem Wohl von Kindern und Jugendlichen liegt daher ein besonderer Fokus der Mobilitätswende in Herne.
Ein großer Dank für die Mitwirkung gilt allen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen
und Lehrern. Gemeinsam haben sie einen neuen Blick auf die Mobilität in Herne ermöglicht.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Positive Wahrnehmungen
- Kinder sind bereits erstaunlich selbstständig unterwegs, vor allem zu Fuß (5 % Freizeit).
- Kurze Wege prägen das Mobilitätsverhalten von Kindern und Jugendlichen.
- Jugendliche schätzen am ÖPNV vor allem Bequemlichkeit, Schutz vor Wetter und schnelle Verbindungen (wenn sie funktionieren).
- Zu-Fuß-Gehen ist sehr beliebt: unabhängig, gesund, sozial (Freunde treffen).
- Positive Beispiele für Barrierefreiheit werden wahrgenommen: Ampelsignale, Blindenleitstreifen, Rampen in Bussen.
Zentrale Schwächen
Aus Sicht der Kinder:
- Viele Wege wirken laut, vom Verkehr dominiert, oft mit viel Müll, Baustellen und unangenehmen Gerüchen.
- Wenig Grün und wenig attraktive Räume → niedrige Aufenthaltsqualität.
- Fahrradfahren oft erschwert: fehlende Motivation, defekte oder zu kleine Räder; 16 % haben kein Rad.
Aus Sicht der Jugendlichen:
- ÖPNV kritisch bewertet:
- 63 % unzufrieden mit Sauberkeit
- 44 % empfinden mangelnde Sicherheit
- 61 % finden Ticketpreise zu hoch
- Baustellen, kaputte Wege, fehlende Hilfen (Aufzüge, Rampen) beeinträchtigen die Mobilität „für alle“.
- Barrieren für Kinder, Menschen im Rollstuhl und kleinere Personen (Perspektivwechsel) sehr sichtbar.
- Unsicherheiten im Dunkeln, enge Wege, wenig Rücksicht im Straßenverkehr.
Mobilitätsverhalten
Kinder:
- Schulweg: 52 % zu Fuß, 48 % im Auto, 25 % Rad, 6 % ÖPNV
- Freizeit: 59 % zu Fuß, 51 % Auto, 37 % Rad, 15 % ÖPNV
- Fahrradnutzung geringer als erwartet, häufig fehlende Fahrräder/Defekte.
Jugendliche:
- 55 % zu Fuß, 57 % ÖPNV, 31 % Auto (Mitfahren), nur 12 % Fahrrad, 14 % E-Roller.
- Viele Jugendliche würden gern mehr E-Roller nutzen, scheitern aber an Kosten oder fehlender Erlaubnis.
- Verkehrssicherheit spielt bei der Wahl des Verkehrsmittels nur eine geringe Rolle.
Beliebte Wege & Orte
- Kinder besuchen Herne-Mitte häufig mit den Eltern, besuchen Spielplätze oder Freunde.
- Jugendliche besuchen Herne-Mitte v. a. zum Treffen mit Freund:innen oder zu Fuß/mit Bus.
- Orte mit Spiel- und Freizeitangeboten besonders relevant.
- In den Wahrnehmungen:
- Schultage = viel Verkehr, Lärm, unangenehme Gerüche
- Wochenende = mehr Natur, Ruhe, Essensgerüche
Wünsche für die Zukunft in Herne
Kinder (Top-3):
- Mehr Fahrradwege
- Sichere Straßenüberquerungen
- Bessere Beleuchtung
Weitere Wünsche: weniger Autos an Schulen, mehr verkehrsberuhigte Bereiche.
Jugendliche (Top-3):
- Kürzere Wartezeiten bei Bus und Bahn
- Mehr Sitzgelegenheiten / Aufenthaltsqualität
- Bessere Beleuchtung
Weitere Wünsche: mehr Bus-/Bahnlinien, saubere und sichere Haltestellen, barrierefreie Wege.